„Silver Tsunami“ – kommt die Immobilienflut wirklich?

Rund 4,8 Millionen Häuser und Wohnungen in Deutschland befinden sich im Besitz der geburtenstarken Jahrgänge – der sogenannten Babyboomer.

Wenn diese Generation in den Ruhestand geht, sprechen Experten vom „Silver Tsunami“: einer Welle von Immobilien, die auf den Markt kommen. Was bedeutet das konkret für Eigentümer, Käufer und unsere Region?

Drohen jetzt Preisstürze? Nein – aber regional muss sehr differenziert betrachtet werden. Ein flächendeckender Preiscrash wird nicht erwartet. Dafür hat Deutschland ein zu großes, strukturelles Wohnungsproblem: Es fehlen hunderttausende Wohnungen! Neubau bleibt deutlich hinter dem Bedarf zurück.

Der entscheidende Punkt ist die Lage: In Städten und wirtschaftsstarken Regionen bleibt eine hohe Nachfrage bestehen, die Preise stabil oder gar weiter steigend. In ländlichen und strukturschwächeren Regionen trifft steigendes Angebot auf sinkende Nachfrage, hier sind Preisrückgänge und sogar Leerstände möglich. Der „Silver Tsunami“ ist daher kein Tsunami – sondern eher ein regionales Hochwasser.

Was bedeutet das für Wolfsburg, Helmstedt und Gifhorn? Wolfsburg hat eine starke Wirtschaftsstruktur und hohe Nachfrage nach Wohnraum. Die Preise bleiben hier voraussichtlich stabil. Gifhorn gilt als Speckgürtel von Wolfsburg und Braunschweig. Hier droht höchstens im Norden des Landkreises ein geringer Preisverfall. Helmstedt muss man sehr regional betrachten. Gemeinden um Wolfsburg, Braunschweig und der A39 bleiben stabil. Auch aufgrund von Sanierungsstau drohen die restlichen Gemeinden an Wert zu verlieren.

Der entscheidende Faktor wird aber nicht die Menge an Immobilien sein, sondern deren Zustand: Viele Babyboomer-Häuser sind (energetisch) sanierungs-bedürftig, nicht barrierefrei, falsch geschnitten… Diese Objekte könnten deutlich an Wert verlieren, während moderne Immobilien gefragt bleiben.

Der Wandel hat bereits begonnen – allerdings schleichend

Viele Babyboomer wohnen heute in großen Einfamilienhäusern. Doch mit zunehmendem Alter verändern sich die Bedürfnisse:

– Häuser werden zu groß

– Instandhaltung zu aufwendig

– Barrierefreiheit wird wichtiger

Die Folge: Immobilien kommen zunehmend auf den Markt oder werden vererbt.

Wichtig: Die eigentliche „Hauptwelle“ erwarten Experten erst zwischen 2040 und 2050, wenn viele Eigentümer über 80 Jahre alt sind.

Ein Tsunami rollt auf eine Stadt zu. Ein Seniorenpärchen schaut es sich aus der Entfernung an.