Als Grundeigentümerverein beschäftigen wir uns regelmäßig mit der Sicherheit und baulichen Substanz von Gebäuden. Die Gefahr durch Schnee- und Eislagen auf Dächern ist grundsätzlich vorhanden, auch wenn Wolfsburg nicht zu den schneereichsten Regionen Deutschlands zählt. Entscheidend ist weniger die Schneehöhe als das Gesamtgewicht von Schnee und Eis, das auf der Konstruktion lastet – insbesondere bei wiederholten An- und Auftauzyklen im Winter. Daher gilt: Auch moderate Schneefälle können problematisch werden, wenn sie zu wetterbedingten Nass- oder Eislasten führen und längere Zeit auf dem Dach verweilen.
Fehlende Unterspannbahnen, mangelnde Isolierung, beschädigte Dachziegel oder andere Schäden am Dach sind häufig die Ursache dafür, dass sogenannter Flugschnee ins Haus geweht wird und liegen bleibt. Schon kleine Schneeverwehungen sorgen dafür, dass Schnee (und somit Wasser) auch seitlich eindringen kann. Auch permanent liegender Schnee und Eis auf dem Dach sucht sich seine Wege. Daher: Bei viel Regen und liegenbleibenden Schnee macht das regelmäßige Begehen des Dachbodens Sinn „um nach dem Rechten“ zu schauen. Denn es gilt mögliche Wasserschäden frühzeitig zu erkennen um Folge- und somit Schimmelschäden zu vermeiden.
Welche Schäden können durch hohe Schneelasten entstehen?
Hohe Schneelasten können eine Vielzahl von Problemen und Schäden nach sich ziehen:
- Strukturelle Überlastung des Dachs Eine zu hohe Last führt zu Verformungen von Sparren, Balken oder Unterkonstruktionen und kann im Extremfall das Dach zum Nachgeben oder Einsturz bringen.
- Wasserschäden durch Schmelzwasser und Eisstau Eisschichten an Traufen oder Dachkanten (sog. Eisstau, Ice Dams) können Wasser am gefahrlosen Ablaufen hindern, was zu eindringenden Feuchtigkeitsschäden in Dachgeschoss und Innenräumen führt.
- Schäden an Dachrinnen, Gebäudeteilen und Außenanlagen Durch abrutschende Schneemassen oder herabfallendes Eis entstehen Schäden an Dachrinnen, Fassaden und geparkten Fahrzeugen.
- Gefährdung von Menschen Herabstürzende Schnee- oder Eisstücke können Passanten und Bewohner gefährden.
Welche vorbeugenden Maßnahmen empfehlen Sie Eigentümern – speziell in unserer Region?
- Regelmäßige Prüfung und Wartung: Gerade bei älteren Immobilien sollte die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion vor der Schneesaison von Fachleuten geprüft werden. Besonders Dachziegel, Unterspannbahnen und die Dachentwässerung brauchen einen Check. Wir empfehlen einen regelmäßigen Blick bei viel Schnee und Eis auf die Dachböden um zu prüfen, ob Wasser eindringt.
- Dachschneerückhaltung und Schutzsysteme: Schneefanggitter oder -stopps reduzieren unkontrolliertes Abrutschen und verteilen Lasten gleichmäßiger. Für bestimmte Dachformen sind sie eine sinnvolle Ergänzung.
- Effiziente Dachentwässerung: Laub, Moos und andere Ablagerungen sollten regelmäßig entfernt werden, damit Wasser schnell abfließen kann und sich keine Eisbarrieren bilden. Konkret heißt das, dass Immobilienbesitzer regelmäßig in Ihre Dachrinnen und Regenrinnen einen Blick werfen.
- Schneeräumung durch Profis: Wenn die Last sichtbar hoch ist, empfehlen wir die Entfernung durch Fachbetriebe oder die örtliche Feuerwehr – nicht durch Laien auf dem Dach, um Stürze und zusätzliche Belastungspitzen zu vermeiden.
- Die richtige Versicherung: Nicht alle Gebäudeversicherungen decken Schäden durch Schnee und Eis auf dem Dach ab. Es macht Sinn regelmäßig seine Versicherungspolicen abzudaten und zu prüfen, welche Bausteine mitversichert sind und ob entscheidendes fehlt!
Gibt es Besonderheiten oder lokal relevante Aspekte in Wolfsburg?
Ja – einige lokale Aspekte sind zu beachten:
- Baualter und Bauweisen: In Wolfsburg existieren viele Gebäude aus den 1950er–1970er Jahren sowie moderne Bauten. Ältere Dachkonstruktionen entsprechen nicht immer den heutigen Normen zur Schneelast nach DIN/Eurocode, weshalb eine genauere statische Bewertung sinnvoll ist.
- Häufige Dachformen: Klassische Satteldächer sind in unserer Region verbreitet und in der Regel gut geeignet, Schnee abzuleiten. Flachdächer – z. B. bei neueren Wohnanlagen – bergen ein höheres Risiko, da Schnee nicht von selbst abrutschen kann und Wasserpfützen bilden kann, die bei Frost (Auftauen, Zufrieren…) Schäden begünstigen.
Daher geben wir Immobilieneigentümern eine Hausaufgabe mit: Haus innen: Gehen Sie auf den Dachboden, prüfen Sie nach ob Verfärbungen, Flecken, Schimmel, feuchte Stellen oder gar Schnee eingedrungen ist. Prüfen Sie ob es einen Lichteinfall durch das eigentliche dichte Dach gibt. Schauen Sie sich die Balken und Säulen an, hängt die Dachkonstruktion irgendwo durch?
Haus außen: Wenn der Schnee weg ist, prüfende Sie ob die Regen- und Dachrinne verstopft sind. Schnappen Sie sich ein Fernglas und schauen nach kaputten, losen oder fehlenden Dachziegeln!
Bringen Sie sich nicht in Gefahr, z.B. durch betreten des Daches! Und wenn Sie Schäden ersehen haben, kontaktieren Sie eine Fachfrau oder Fachmann!